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Thema Reizdarm: Mehr als "nur" Bauchschmerzen
Es äußert sich in andauernden Bauchschmerzen, Verstopfung, Durchfall oder Blähungen: Das so genannte Reizdarmsyndrom - ein Thema, über das viele Betroffene nicht gerne sprechen. Auch Ärzte unterschätzen häufig, wie stark diese Erkrankung die Lebensqualität der Patienten beeinträchtigt.
Wussten Sie etwa, dass das Reizdarmsyndrom (Irritable Bowel Syndrome, IBS) hierzulande zu den häufigsten Erkrankungen des Magen-Darmtrakts gehört? Oft treten die unangenehmen Verdauungsbeschwerden bei Menschen in bestimmtem Lebensphasen auf, beispielsweise verbunden mit erhöhtem Stress. Die Symptome des Reizdarms können die Leistungsfähigkeit der Betroffenen stark beeinträchtigen, bis hin zur Arbeitsunfähigkeit.
Weil der Reizdarm eine sogenannte funktionelle Erkrankung ist, deren Ursache der Arzt oft nicht unmittelbar erkennen kann, beschränkt sich die Behandlung meist darauf, die konkreten Schmerzen und Beschwerden zu lindern. Nun belegt eine amerikanische Studie, dass die anderen Symptome des Reizdarms, die nicht direkt mit dem Bauch zu tun haben, für die Betroffenen oft viel bedeutsamer sind.
Wissenschaftler der Universität von Kalifornien in Los Angeles untersuchten die Lebensqualität von Menschen mit Reizdarmsyndrom. Insgesamt wurden dabei 770 erwachsene Patienten nach einer sorgfältigen Untersuchung zu ihren Krankheitssymptomen und ihrer gesundheitsbezogenen Lebensqualität befragt.
Bei der Auswertung der Fragebögen wurde sichtbar, dass bei Menschen mit Reizdarm immer wieder charakteristische Faktoren eine Rolle spielen. Typische körperliche Kennzeichen sind: (1) mehr als fünf Arztbesuche jährlich, (2) schnelles Ermüden, (3) wenig Antrieb, (4) heftige Symptome, (5) vorwiegende Schmerzsymptome, (6) ungutes Gefühle, dass mit dem Körper "ernsthaft etwas nicht in Ordnung ist, (7) Symptome halten länger als 24 Stunden an.
Diese Faktoren kennzeichnen die mentale Lebensqualität: (1) innere Anspannung, (2) Nervosität, (3) Empfinden von Hoffnungslosigkeit, (4) Schlafprobleme, (5) leichtes Ermüden, (6) geringes sexuelles Interesse, (7) gestörte Sexualfunktion, (8) geringer Antrieb.
Die Lebensqualität der Patienten wird also weniger durch deren Magen-Darmbeschwerden beeinträchtigt, als viel mehr durch andere Symptome wie Nervosität und innere Anspannung. Andauernder Stress spielt beispielsweise bei vielen Betroffenen eine wichtigere Rolle als "nur" die Bauschschmerzen.
Der behandelnde Arzt sollte folglich auch Faktoren wie Sorgen und Ängste der Patienten wahrnehmen und in die Therapie mit einbeziehen. Auf diese Weise lassen sich die Diagnose und Behandlung von Patienten mit Reizdarm nachhaltig verbessern.
Quelle: Spiegel BMR et al.: Clinical Determinants of Health-Related Quality of Life in Patients With Irritable Bowel Syndrome. Arch Intern Med (2004); 164: 1773-1780.
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