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Was hilft bei anhaltenden Gürtelrose-Schmerzen?

Welche Medikamente helfen wirklich gegen Schmerzen, die auch nach dem Abklingen einer Gürtelrose nicht zurückgehen? Britische Ärzte stellen eine neue Analyse vor. Ergebnis: es gibt eine Reihe von Mitteln, die deutlich und nachhaltig wirken.

Die Gürtelrose (Herpes zoster, Zoster), ist eine Virusinfektion, die auf durchgemachte Windpocken zurückgeht. Im Rahmen dieser Kinderkrankheit gelingt es einigen Viren, in Nervenzellen des Rückenmarks einzudringen. Hier können sie jahrelang inaktiv verweilen, da sie für die Abwehr des Körpers unsichtbar sind. Ist dann etwa wegen einer Erkrankung oder aufgrund fortgeschrittenen Alters die Abwehr geschwächt, können die Viren wieder aktiv werden. In diesem Stadium können sie dann statt der relativ harmlosen Windpocken eine schmerzhafte Gürtelrose verursachen.

Begünstigen Gürtelrose: Alter, Transplantation, AIDS

In der Regel äußert sich die Gürtelrose in einer sehr schmerzhaften, meist scharf begrenzten Bläschenflechte, die ohne bleibende Schäden abheilt. Etwa ein Viertel der Betroffenen entwickelt jedoch anhaltende Schmerzen, die durch eine Schädigung der Nerven durch die Viren verursacht werden: die postherpetische Neuralgie (PHN). Die Patienten klagen über stechend-brennende Schmerzen, die anhaltend oder krampfartig, allein oder mit anderen Hautzeichen kombiniert auftreten.

Vor kurzem haben britische Ärzte die aktuellen Veröffentlichungen zu den PHN-Schmerzmitteln systematisch gesichtet und hinsichtlich Wirksamkeit und Sicherheit ausgewertet. Ihre Arbeit schließt die Studien ein, deren Teilnehmer mindestens drei Monate lang an eindeutigen PHN-Symptomen gelitten hatten. Zudem musste als Studienergebnis ein klinisch messbarer Schmerzrückgang verzeichnet sein.

Bei den Antidepressiva ist Amitriptylin weit vorn

Oft werden gegen die Schmerzen sogenannte Antidepressiva verabreicht, denn diese Medikamentengruppe beeinflusst auch die Mechanismen der Schmerzweiterleitung im Körper. Unter den getesteten Antidepressiva zeigte das bewährte Amitriptylin eine deutliche Besserung der Symptome. Ein Amitriptylin-Maprotilin-Vergleich ergab für 47 bzw. 38% der Probanden eine mindestens 50%ige Schmerzlinderung.
Auch Gabapentin und Pregabalin, in je zwei der analysierten Studien in verschiedenen Dosen verabreicht, zeigten eine klare Wirksamkeit. Dabei war jedoch die jeweilige Pregabalin-Dosis abhängig von der Nierenfunktion.
Dagegen scheint Fluphenazin nicht wirksam zu sein.

Hohe Wirksamkeit von Morphin

Wie zu erwarten war, hatten zahlreiche Autoren auch die Wirksamkeit von Opioiden, Abkömmlingen des Morphins, auf die PHN-Symptome näher betrachtet. Denn diese Mittel werden routinemäßig gegen starke Schmerzen eingesetzt. Bei den verschiedenen Studien waren das Morphin selbst, Levorphanol und Oxycordon zur Anwendung gekommen. Hier zeigte sich, dass die Opioide auch bei PHN effektiv sind. So war die Schmerzstärke, gemessen 120 Minuten nach der Infusion in eine Armvene, um 45 Punkte bei Morphin, aber nur um 22 Punkte beim Placebo gefallen.

Schmerzmittel direkt auf der Haut

An dieser Stelle soll noch auf andere Therapieformen eingegangen werden, die die britischen Mediziner beleuchtet haben. So legen Hautschmerzen die Verwendung von Salben und Cremes nahe. Folglich enthielt das Analysematerial Aussagen zu Schmerzpflastern und mehreren Hautmitteln, u.a. mit den Wirkstoffen Capsaicin und Aspirin. Diese hatten die Schmerzlinderung des jeweiligen Placebo sichtbar übertroffen. Das bekannte Diclofenac und Benzydamin zeigten hingegen keine klare Besserung.

Schmerzmittel am Rückenmark

Wieder andere Forscher hatten Schmerzmittel in den Wirbelkanal injiziert, und damit die Schmerzweiterleitung durch das Rückenmark beeinflusst. Die Patienten hatten vier Wochen lang das lokale Schmerzmittel Lidocain allein oder in Kombination mit dem Glukokokortikoid Methylprednisolon erhalten. Die Ergebnisse waren zwei Jahre lang registriert worden. Die Auswertung lässt auf eine deutliche Wirksamkeit der Kombitherapie, aber auch der Lidocain-Injektion schließen. 12 von 13 Patienten, die Lidocain und Methylprednisolon erhalten hatten, hatten von einer anhaltenden Besserung gesprochen.

Das Ehrenmitglied der Deutschen Akademie für ganzheitliche Schmerztherapie (DAGST), Prof. Dr. Frank Bahr, sagt dazu: "Eine örtlich begrenzte Therapie sollte bei dieser Erkrankung stets versucht werden, da sie einfach anzuwenden ist und allgemeine Wirkungen vermeidet. Weitere Medikamente sind immer noch möglich. Allerdings sollten gerade bei einer chronischen Schmerzerkrankung wie der PHN auch alternative Methoden verwendet werden. Speziell auf die Akupunktur sprechen viele Betroffene sehr gut an. Durch eine Kombination von Medikamenten und anderen Methoden wird meist eine deutlich bessere Schmerzlinderung erreicht als wenn die alternativen Möglichkeiten nicht ausgeschöpft werden."


Quelle: Hempenstall K et al: Analgesic therapy in postherpetic neuralgia: A quantitative systematic review. PLoS Med 2(7):e164.


Autor: BSMO Redaktion
Stand: 29-09-2005




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