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Rücken heilen muss nicht viel kosten - Schritt für Schritt auf dem Weg zum gesunden Rücken
Das Volksleiden Rückenschmerz verschlingt Jahr für Jahr Milliarden von Euro, doch stimmt das Kosten-Nutzen-Verhältnis? Jeder weiß, dass nicht alles jedem helfen kann. Schmerzmediziner stellen Therapien auf den medizinisch-ökonomischen Prüfstand.
Akute Schmerzen verlangen nach Soforthilfe, die auf Schmerzbeseitigung und Wiederherstellung der gestörten Funktionen zielt. Dies ist beim chronischen Schmerz oft nicht mehr möglich. Hier geht es daher um größtmögliche Schmerzsenkung, positiven Umgang mit Restschmerzen und Funktionsverbesserung.
Für den chronischen Rückenschmerz gilt dies auch. Er ist eines der häufigsten Gesundheitsprobleme unserer Zeit und ist - trotz aller Wissenschaft - noch immer ein Rätsel. Fest steht: Es handelt sich um ein komplexes Geschehen, das v.a. von körperlichen, seelischen, kulturellen und Umweltfaktoren beeinflusst wird und von Einzeltherapien nicht ausreichend gelindert wird. Die Therapien: erhaltende, minimal-invasive und chirurgische Methoden. Was im Einzelfall den größten Nutzen hat, ist allerdings beim Einzelnen Patienten zunächst unklar.
6% der Befragten - 75% der Kosten
Eine Untersuchung in Belgien zeigte vor kurzem, dass rund 6% der Befragten im zurückliegenden Halbjahr über chronische Rückenschmerzen geklagt hatten - eine Quote, die auch für andere Staaten gilt. Diese Betroffenen sorgten jedoch für rund 75% der belgischen Gesamtkosten der Rückentherapien. Auch in Belgien ist die Lohnfortzahlung bei Krankheit gesetzlich verankert. 5,7 Millionen Krankentage lassen sich auf Rückenschmerzen zurückführen: 29% aller Krankentage. Selbst so entsteht schon ein Kostenberg von 992,6 Millionen Euro pro Jahr. Kosten, die der Patient und seine Angehörigen aufbringen, sind darin nicht enthalten!
Schmerzforscher aus Belgien und den Niederlanden sichteten die neuere Literatur unter besonderer Beachtung von Kosten-Nutzen-Analysen. Da sich der Alltag unserer westlichen Nachbarn nicht nennenswert von unserem unterscheidet, bieten sich die belgischen Daten zum Vergleich mit Deutschland an.
Viele neue minimal-invasive Therapien
Medikamente - noch immer Eckstein der Therapie - liegen am weitesten vorn. Die Autoren ermittelten, dass in Belgien mehr als 1,2 Millionen Rezepte pro Jahr ausgestellt werden, was zu Kosten von über 34 Millionen Euro führt. Diese Summe enthält jedoch weder die häufig verordnete Begleitmedikation, wie z.B. Antidepressiva, noch frei verkäufliche Präparate.
Die Forscher verglichen Studien zu den verschiedenen minimal-invasiven Methoden, die häufig ambulant durchgeführt werden. So prüften sie die Rückenmark- und Nervenwurzeltherapie, bei der Entzündungshemmer sehr nahe an den Schmerzherd gebracht werden. Beim Ischias ließ sich so die Rate von bereits in Aussicht stehenden Rückenoperationen deutlich reduzierten. Auch die Radiofrequenztherapie kam auf den Prüfstand. Hier erzeugen elektrische Felder Wärme, die die Feinstruktur der Nerven ändert, was deren Schmerzleitung stört. Hierbei zeigten sich zwar gute Kurzzeiterfolge, während die Langzeitwirkung noch weiterer Forschung bedarf.
Teure Schmerzpumpe spart ab dem 23. Monat
Diagnose und Therapie verbindet die Epiduroskopie in idealer Weise. Klarer als mit anderen Bildverfahren lassen sich krankhafte Prozesse darstellen und beurteilen, indem mit Hilfe von Glasfaseroptik direkt in den Rückenmarkkanal geblickt wird - wie bei einer Gelenkoperation. Anschließend wird auch hier das erforderliche Medikament direkt an den Schmerzherd gebracht. Für diese Technik ermittelten die Autoren klar anhaltende Therapieerfolge, die langfristig die hohen Kosten der Methode selbst mehr als wett machen. Im Gegenzug stieg die Lebensqualität der Behandelten.
Techniken wie die Rückenmarkreizung, bei der Elektroden und ein kleiner Reizgeber eingesetzt werden, und die Schmerzpumpe machen die Betroffenen zu Dauerpatienten. Fallstudien deuteten an, beide Methoden seien der Chirurgie überlegen, doch lässt sich noch nicht vom "Mittel für alle" sprechen. Vor dem Hintergrund hoher Anfangskosten lässt sich erst bei Langzeitwirkung von Wirtschaftlichkeit sprechen, die z.B. durch Einsparung von Medikamenten, Arztbesuchen und Kliniktagen erreicht wird.
Bei speziellen Schmerzursachen offene Operation
Zahlen aus Schweden zeigten für die Rückenchirurgie sichtbare Erfolge v.a. bei Verengungen des Rückenmarkkanals, Instabilität der Wirbelsäule und altersbedingter Wirbelschäden. Schmerzsenkung und Rückenfunktion waren deutlich besser, verglichen mit erhaltenden Techniken. Der Nutzen ergab sich entweder aus beseitigten Druckstellen oder aus der Verschraubung mehrerer Wirbelkörper. Zusatzkosten für eventuelle Metallimplantate sind hierbei unbedingt zu beachten.
Sowohl dem kranken Rücken als auch dem Gesundheitssystem dient ein Stufenschema am besten, so die Autoren. Erst die erfolglose Ausreizung einer Stufe erlaube den Folgeschritt in operativer Richtung, der mit höheren Kosten verbunden ist.
Dazu meint Prof. Dr. Frank Bahr, Ehrenmitglied der Deutschen Akademie für Ganzheitliche Schmerztherapie (DAGST). "In Zukunft wird man medizinische Leistungen stärker als heute nach Wirtschaftlichkeit bewerten müssen. Arbeiten wie diese begrüße ich ausdrücklich. Ich plädiere jedoch dafür, neben konventionellen auch alternative Verfahren ins Auge zu fassen. Denn gerade bei der Wirtschaftlichkeit können sich alternative Methoden sehen lassen."
Publisher: DAGST
Quelle: Zundert Jv, Kleef Mv: Low back pain: from algorithm to cost-effectiveness? Pain Practice 2005;5:3,179-89.





