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Akupunktur

Akupunktur aktiviert Schmerzkontrolle

Patienten schätzen die Akupunktur, weil sie gut verträglich und natürlich ist. Auch Ärzte setzen sie zunehmend ergänzend ein, um beispielsweise bei Schmerzen das Leid zu lindern und den Medikamentenverbrauch zu senken. Doch unter westlichen Medizinern gibt es noch immer Skeptiker - obwohl immer mehr Studien die Wirksamkeit der chinesischen Methode belegen.

Um die Akupunktur gibt es in der westlichen Welt noch immer eine kontroverse Diskussion, die schwankt zwischen den für uns eher mystisch anmutenden Vorstellungen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und der Skepsis so genannter Schulmediziner.

Doch auch in der westlichen Medizin hat inzwischen ein Umdenken stattgefunden. So kam im Jahre 1997 die US-amerikanische Gesundheitsbehörde NIH (National Institutes of Health) zu dem Schluss, dass die Akupunktur wissenschaftliche Geltung beanspruchen kann und deswegen von den amerikanischen Ärzten akzeptiert werden sollte. Sie empfahl die Methode bei verschiedenen Erkrankungen, unter anderem bei Kopf-, Menstruations- und Rückenschmerzen sowie bei einer speziellen Rheuma-Form, der Fibromyalgie, als zusätzliche Behandlung - beispielsweise im Rahmen von so genannten multimodalen Therapiekonzepten (s. auch Schmerzbehandlung). Eine ähnliche Ansicht vertritt die Weltgesundheitsorganisation WHO, welche die Akupunktur inzwischen bei 54 Erkrankungen als ergänzende Methode für sinnvoll erachtet.

Akupunktur wird individuell angepasst

Das genaue Vorgehen bei der Akupunktur hängt vom Einzelfall ab, denn jede Behandlung wird individuell angepasst. In der westlichen Welt erfolgen üblicherweise ein- bis zweimal in der Woche insgesamt zehn bis zwölf Sitzungen, bei denen die dünnen Akupunkturnadeln 15 bis 20 Minuten in den Akupunkturpunkten verblieben.

Akupunktur: Lebensenergie muss harmonisch fließen

Die Wirkung der Akupunktur basiert nach der Lehre der TCM auf einer Harmonisierung der Lebensenergie. Denn die chinesische Medizin geht seit Jahrhunderten davon aus, dass jeder Organismus von einer Lebensenergie durchströmt wird - dem so genannten Qi. Ist ihr harmonisches Fließen gestört, treten Erkrankungen auf. Die Störungen können von "Fülle" bis hin zu "Schwäche" reichen, bei Schmerzerkrankungen wird eine Blockade oder Stagnation des Qi als Hauptsymptom angenommen.

Das Qi wiederum fließt beim Menschen in 14 Energieflüssen, den Meridianen, durch den Körper. Diese haben nichts mit anatomischen Strukturen der westlichen Medizin zu tun, sondern entstammen der TCM-Lehre. Auf den Meridianen, die mit den Organsystemen des Körpers verbunden sind, liegen bestimmte Punkte, deren Stimulation den Fluss des Qi wieder harmonisieren soll. Für diese Stimulation werden Akupunkturnadeln eingesetzt.

Nadelung stimuliert körpereigne Schmerzkontrolle

Auch aus naturwissenschaftlicher Sicht gibt es inzwischen Begründungen für die beobachteten Wirkungen, da in der jüngsten Vergangenheit in der Grundlagenforschung viele Untersuchungen zur Akupunktur durchgeführt worden sind.

In der Schmerztherapie wird beispielsweise angenommen, dass die Akupunktur ähnlich wie die TENS als Gegenirritationsverfahren wirkt: Demnach können - vereinfacht gesagt - die Nerven, die auf die Akupunktur reagieren, gleichzeitig die Weiterleitung von Schmerzreizen unterdrücken. Außerdem aktiviert die Nadelung auf verschiedenen Ebenen die körpereigene Schmerzkontrolle, so dass es zu einer Ausschüttung der schmerzhemmenden Endorphine kommt (s. auch Schmerzentstehung).

Skepsis unter Medizinern bleibt bestehen

Trotz dieser naturwissenschaftlichen Belege und den bereits seit mehr als 2.000 Jahren bestehenden, positiven Erfahrungen in der praktischen Anwendung bleibt die Skepsis unter Schulmedizinern bisher allerdings bestehen. Ein wichtiger Kritikpunkt sind die noch immer - je nach Erkrankung - häufig unzureichenden Studien zur Wirksamkeit der Akupunktur nach allgemein anerkannten wissenschaftlichen Kriterien.

Doch diese stammen aus der Arzneimittelforschung und bereiten bei vielen therapeutischen Verfahren Probleme, beispielsweise bei operativen Eingriffen oder TENS. Denn anders als bei einer Tabletteneinnahme ist es bei diesen Methoden schwierig, eine Scheinbehandlung durchzuführen, von der weder der Patient noch der behandelnde Arzt merkt, dass es sich nicht um die "echte" Therapie handelt. Bei der Akupunktur kommt erschwerend hinzu, dass sie nach umfassender Diagnostik individuell auf den Patienten abgestimmt wird, die Standardisierung in einer Studie also nicht einfach ist.

Große Untersuchungen zur Wirksamkeit in Deutschland

Aber das Interesse an der Akupunktur ist auch unter Schulmediziner inzwischen geweckt, so dass es immer mehr Bestrebungen gibt, die Frage zu deren Wirksamkeit nun endlich zuverlässig zu beantworten. So haben vor allem Krankenkassen bundesweit inzwischen drei große Modellvorhaben initiiert, die den Wert der chinesischen Heilmethode bei verschiedenen Erkrankungen anspruchsvoll und qualitativ hochwertig überprüfen sollen.

Erste Zwischenergebnisse von einer dieser Untersuchungen sind im Januar 2004 in Berlin vorgestellt worden (s. auch "Akupunktur bald Kassenleistung" auf der Homepage der DAAAM). An dem Modellvorhaben hatten bis dahin rund 250.000 Patienten von etwa 10.000 niedergelassenen Ärzten teilgenommen.

Ergänzende Akupunktur oft wirkungsvoller als Routineversorgung

Generell schnitt die Akupunktur in der Untersuchung bei verschiedenen Erkrankungen (nicht nur Schmerzsyndromen) viel versprechend ab: Von den Studienteilnehmern, die zusätzlich zu einer herkömmlichen Therapie (z.B. Schmerzmittel) eine Akupunktur erhalten hatten, berichtete eine überwiegende Mehrheit (73 bis 90 Prozent) von einer Besserung. So erklärten beispielsweise drei von vier Patienten mit Kopf- oder Lendenwirbelsäulenschmerzen, ihnen wäre es nach der chinesischen Behandlungsmethode besser gegangen. Auch Arthrose-, Halswirbelsäulen- sowie Unterleibsschmerzen während der Menstruation besserten sich bei etwa vier von fünf Patienten durch die Nadelung.

In einer zweiten Gruppe hingegen, die nur die Routinebehandlung erhalten hatte, ließen die Beschwerden bei weniger als die Hälfte der Patienten nach (25 bis 30 Prozent). Damit erzielte die Akupunktur signifikant bessere Ergebnisse als die Routineversorgung. Die Nadel-Therapie wurde zudem gut vertragen und ihre positiven Effekte blieben über ein halbes Jahr bestehen.


Quelle: Deutsche Akademie für Akupunktur und Aurikulomedizin (DAAAM) e.V.
(http://www.presse-akupunktur.de)
(http://www.akupunktur-arzt.de)

Pressekonferenz "Ergebnisse der TK-Akupunktur-Studie" am 22. Januar 2004 in Berlin.

Therapie chronischer Schmerzen. W. Striebel, Schattauer Verlag, Stuttgart, 2002.

Behandlung chronischer Schmerzzustände in der Praxis. H. Kayser, Uni-Med Verlag, Bremen, 2001.

Lehrbuch der Schmerztherapie. Hrgs: M. Zenz, I. Jurna, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, 2001.

www.schmerz-arzt.de
Autor: bsmo Redaktion
Stand: 15-06-2004




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