Opioide Schmerzmittel
Opiod bei stärkeren Schmerzen
Schmerzen, bei denen andere Methoden und Medikamente nicht ausreichend helfen, sollten mit Opioiden behandelt werden, um das Leid des Patienten und das Risiko einer Chronifizierung zu mindern. Ihr Einsatz ist zwar immer noch mit Ängsten belastet, bei sachgerechter Anwendung drohen aber in der Regel weder Sucht noch Rauschzustände oder schwere Nebenwirkungen.
In ihrer schmerzmindernden (analgetischen) Wirkung unterscheiden sich die Opioide grundlegend von den Nicht-Opioiden: Die Opioide setzen die Schmerzempfindung direkt herab, indem sie die Rezeptoren des körpereigenen Opiat-Systems aktivieren (s. auch Schmerzentstehung). Auf diese Weise können sie mittelstarke bis starke Schmerzen in vielen Fällen sehr gut hemmen. Da ihr Effekt durch die Nicht-Opioid-Analgetika verstärkt wird, kommen die beiden Analgetika-Gruppen nach dem WHO-Stufenschema (s. auch Schmerzbehandlung) häufig kombiniert zum Einsatz.
Viele Patienten sind unterversorgt
Trotz ihrer guten Wirksamkeit werden die Opioide allerdings noch immer zu selten eingesetzt. So warnte die deutsche Fachgesellschaft "Das Schmerztherapeutische Kolloquium - Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie e.V." im Jahr 2001, dass Patienten, die auf Grund ihrer Schmerzen eigentlich ein Opioid benötigen, in den meisten Ländern unterversorgt sind. In Deutschland erhielten beispielsweise weniger als zehn Prozent der Betroffenen Opioide, in der Schweiz und in Portugal waren es 80 Prozent. In den meisten Ländern lag der Versorgungsgrad unter 30 Prozent.
Im Jahre 2003 hatte sich diese Situation nur wenig entspannt: Die Gesellschaft kam zwar zu dem Schluss, dass die Diskrepanz zwischen den Opioid-Erfordernissen der Patienten und den Verordnungen von stark wirkenden Opioiden (Stufe 3 nach dem WHO-Stufenschema) abgenommen hatte - der Unterschied war jedoch insgesamt noch immer groß.
Für die Unterversorgung nennt die Fachgesellschaft verschiedene Ursachen. In den meisten Ländern gibt es beispielsweise für die Verschreibung stark wirksamer Opioide spezielle Vorschriften. Aber auch Vorurteile in der Bevölkerung und die unzureichende Ausbildung der Ärzte spielen eine wichtige Rolle. So hält sich zum Beispiel sowohl bei Patienten als auch bei vielen Ärzten noch hartnäckig die Angst davor, dass aus einer Opioid-Therapie eine Abhängigkeit resultieren könnte. Viele haben darüber hinaus Bedenken hinsichtlich der Nebenwirkungen. Dabei würden Patienten mit mittelstarken und starken Schmerzen häufig deutlich von einer derartigen Behandlung profitieren.
Opioid-Behandlung vorsichtig optimieren
Bei den Opioiden handelt es sich um opiatähnliche Substanzen, die in unterschiedlichen Wirkstärken und Darreichungsformen zur Verfügung stehen. Es gibt sie beispielsweise von Tropfen über Tabletten bis hin zu Pflastern. Darüber hinaus sind so genannte retardierte Formen erhältlich, bei denen die Wirksubstanz verzögert freigesetzt wird.
Da nicht alle Schmerzen auf Opioide ansprechen und die Opioide wegen der möglichen Nebenwirkungen nicht überdosiert werden dürfen, setzen Schmerz-Experten in der Regel zunächst ein schnell wirkendes Opioid-Präparat ein und erhöhen dessen Dosis langsam. Auf diese Weise können sie individuell überprüfen, ob der Schmerz auf die Behandlung reagiert und wie viel Schmerzmittel notwendig ist. Für eine Langzeittherapie stellen sie dann auf eine retardierte Darreichung (z.B. Tabletten) um, die über den Tag verteilt nach einem bestimmten Schema angewendet wird. Auf diese Weise lassen sich so genannte "Wirkstoffspitzen" verhindern, die bei der Entstehung einer Opiatsucht eine wesentliche Rolle spielen. Schmerzspitzen können dann immer noch gegebenenfalls zusätzlich durch schnell wirksame Präparate abgefangen werden. Opiatpflaster eignen sich gerade für ältere Patienten mit starken Schmerzen gut: Sie sind unkompliziert zu handhaben, meistens besser verträglich als Tabletten und sorgen für einen gleichmäßigen Wirkspiegel.
Nur für den Fall, dass die Opiod-Behandlung trotz hoher Dosierung mit oralen Darreichungen oder Pflastern nicht ausreichend wirkt oder nicht vertragen wird, besteht darüber hinaus die Möglichkeit, die Analgetika über einen Katheder in die Nähe des Rückenmarks zu verabreichen. Ist auch hier die schmerzlindernde Wirkung nicht effektiv genug, kann die Gabe von Opioid in den Rückenmarkkanal notwendig sein.
Nebenwirkungen lassen sich oft lindern
Zu den wichtigsten Nebenwirkungen einer dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden gehören Übelkeit und Erbrechen, chronische Verstopfung, Müdigkeit, Verwirrtheit und Schwitzen. Diese lassen aber zum Teil nach einiger Zeit nach, außerdem kann der Arzt auf sie reagieren, indem er bestimmte Medikamente (z.B. Abführmittel) gegen diese Symptome verschreibt. Zu einer psychischen Abhängigkeit (Sucht) oder Rauschzuständen kommt es bei einer angemessenen Behandlung chronischer Schmerzen durch einen erfahrenen Arzt in der Regel nicht.
Menschen mit dauerhaften Schmerzen sollten auf eine Selbstmedikation verzichten und einen Arzt aufsuchen, der sich mit der Behandlung von Schmerzerkrankungen auskennt. Die Deutsche Akademie für Interdisziplinäre Schmerz-Therapie stellt auf ihrer Internetseite http://www.akupunktur-information.de/arztliste.html eine Suche von Schmerz-Therapeuten (z.B. mit dem Tätigkeitsschwerpunkt Ganzheitliche Schmerztherapie) zur Verfügung.
Differenzialindikation von Opioiden. StK - Zeitschrift für angewandte Schmerztherapie. Sonderheft 2003.





